Taschen - Lampe

  • Der Österreicher Lothar Ruisz hatte zu Anfang der zwanziger Jahre die Idee eine kleine Benzinlampe herzustellen, für die er 1921 ein Patent unter der Überschrift "Taschenlampe" anmeldete, wofür dann 1923 die Patentdauer startete.
    Danach überlegte er sich nötige technische Verbesserungen und meldete 1924 ein Zusatzpatent an, welches 1927 startete.


    Solche Ideen können mich begeistern, und ich war glücklich vor einer Woche ein gut erhaltenes Exemplar bekommen zu können, welches nach der vorhandenen Technik nach 1924/27 entstanden sein muß.
    Das erste Bild zeigt die zusammengeschobene Laterne mit einer Höhe ohne Bügel von 11 cm, und die Laterne ausgezogen, wobei sie über Zahnstange und Reibrad gestartet wird, mit einer Höhe von 16,5 cm.





    Was in den Patenten nicht erwähnt wurde ist eine runde, über einen Schieber verschließbare Öffnung über der Flamme auf der Rückseite. Ein kurzes Ausprobieren zeigte das man da eine Zigarette anzünden kann, was nicht verwundert, ist doch die Idee für dieses Lämpchen offensichtlich vom Benzinfeuerzeug abgeleitet.





    Die Funktion dieser "Taschenlampe" ist genial einfach.
    Im unteren Teil des zweiteiligen Gehäuses befindet sich der herausnehmbare Benzintank und die fest mit dem Gehäuse verbundene Zündmechanik mit Reibrad und Feuerstein.
    Im oberen Lampenteil wird die Flamme mit einem Glimmerfenster geschützt, und eine herausnehmbare Auslösemechanik mit Zahnstange und Löschhut für die Flamme bilden die Mechanik.
    Durch eine Schraube die durch eine Seite des Bügelhalters führt, wird diese Mechanik gehalten, und kann durch das Lösen dieser Schraube zum Reinigen herausgenommen werden.





    Das nächste Bild zeigt die wesentlichen Änderungen, die zum Zusatzpatent führten.
    Bei der ersten Ausführung erfolgte die Justierung der Flammhöhe über ein Zusatzröhrchen welches über das Dochtrohr des Tanks von unten in der Höhe verstellbar über das Dochtrohr glitt. Dadurch wird der Docht entweder kürzer oder länger, mit entsprechendem Flammbild. Wahrscheinlich eine schlecht arbeitende Lösung.
    Deshalb hat Ruisz dieses Dochtrohr fest mit dem unteren Gehäuse verbunden, und stattdessen den ganzen Tank mit seinem Dochtrohr verstellbar gemacht, was das bessere Ergebnis brachte. Man kann sich die Wirkungsweise auf dem Zeichnungsausschnitt des Zusatzpatents anschauen, welches ich hinten anhänge.
    Auf dem Bild sieht man links die Unterseite des unteren Lampenteils mit dem Tank. Links am Tank die Mutter zur Höhenverstellung, und rechts die Tanköffnung mit dem Verschluß davor.
    Die zweite Änderung ist die Führung der Zahnstange, die ursprünglich vor allem beim schnellen Aufziehen keinen sauberen Eingriff in das Zahnrad am Reibrad hatte, was dann nicht zur zuverlässigen Zündung der Flamme führte.
    Eine gestanzte, hochgebogene Lasche verhindert nun das sich die Zahnstange vom Zahnrad wegbewegen kann.
    Zudem führt ein Langloch in der Zahnstangenhalterung zu einer zusätzlichen Beweglichkeit derselben, damit sie beim Schließen der Lampe nicht in Eingriff mit dem Reibradzahnrad kommt, sondern nur darüber gleitet, was den Feuerstein schont.





    Hier der Blick von oben auf das Gehäuseunterteil, und der Blick in das Gehäuseoberteil.





    Schraubt man die Mutter zur Höhenverstellung am Tank ganz aus dem Gewinde heraus, kann man den Tank zur Dochterneuerung oder zum Reinigen nach unten herausziehen.
    Ähnlich kann man am Oberteil über einen Hebel am Dom das ganze Oberteil nach oben abziehen, und kommt dadurch an den Feuerstein, oder kann die Mechanik reinigen.





    Zum Schluß der Ausschnitt der Patentzeichnung.
    Wer beide Patente lesen möchte kann dies bei DEPATISnet unter den Nummern AT95097 und AT108534 tun.
    Und ich erfreu mich nun an dieser "Taschenlampe".



  • ich auch, nomen est omen > diogenes

    Das passt ja wirklich astrein. :D 
    Mal wieder eine Lampe für das Kuriositätenkabinett.
    Aber wirklich sehr durchdacht. Elektrische Taschenlampen
    gab es zwar auch schon um 1900 herum, aber bis die ersten
    wirklich gebrauchstüchtigen Modelle in der Größe auf den
    Markt kamen, war so ein Gerät mit Sicherheit die bessere
    Wahl. Interessant wäre noch, die "Sturmfestigkeit" mal zu testen.
    Nicht nur, ob bei stärkerem Wind die Flamme an bleibt, sondern
    auch, ob sie einigermaßen ruhig ist, so daß man beispielsweise
    eine Landkarte damit lesen könnte. Schickes kleines Lämpchen.


    Grüße


    Marcus

  • Kuriositätenkabinett trifft es ganz gut.
    Dafür bin ich immer auf der Suche nach dem Besonderen.


    Vorhin hatte ich mal den Fön mit voller Leistung draufgehalten. Natürlich bleibt die Flamme dabei nicht ruhig, aber das Lämpel geht nicht aus. Ansonsten brennt es absolut ruhig ohne zu Flackern.
    Im Moment läuft gerade der Dauertest um zu sehen wie lange sie brennt.

  • ...
    Im Moment läuft gerade der Dauertest um zu sehen wie lange sie brennt.

    Und wieder was dazu gelernt.
    Das man besser den Bügel etwas vom Kamin wegstellt, weil er ansonsten sauheiß wird, und das man beim Gebrauch der metallenen Benzinflaschen nicht sehen kann wieviel man in den Tank gefüllt hat, was bei so einer Benzinlampe unangenehm werden kann wenn es zuviel war.
    Ergo habe ich alte Liquidfläschchen von der E- Zigarette gereinigt und mit Benzin gefüllt.
    Die 10 ml pro Flasche stellen jeweils eine Füllung dar, womit das Lämpel fast vier Stunden brennt.



  • Die 10 ml pro Flasche stellen jeweils eine Füllung dar, womit das Lämpel fast vier Stunden brennt.

    Respekt. 4 Stunden mit 10ml ist schon eine ordentliche Leuchtdauer.
    Da konnte zur damaligen Zeit die elektrische Konkurrenz mit Sicherheit
    nicht mithalten. Gerade auch in Notsituationen, zum Beispiel im (nicht
    schlagwettergefährdeten) Untertagebereich können 4 Stunden über
    sein oder nicht sein entscheiden.


    Grüße


    Marcus

  • Hallo Marcus,
    absolut richtig Deine Äusserung.
    Nur hatten wir, auch in schlagwetterfreien Gruben die Problematik, dass regional auch dort Wetterlampen vorgeschrieben waren, mitunter auch wegen matter Wetter!
    Einige Bergbaubetreiber boten im Übrigen auch ihren Arbeitern die Möglichkeit der Erwerbung einer neuen Lampe. Allerdings waren das dann Modelle welche der Betreiber auswählte und freigab. Der Erwerb war entsprechend kostspielig. Fremdlampen waren oft nicht zugelassen!
    Und gerade bei Flüssigbrennstofflampen gab es eine Lampenkammer, welche oft durch einen Kumpel betreut wurde, welcher unter Tage nicht mehr eingesetzt werden konnte. Dieser betreute dann die Lampis; sprich er übernahm Wartungsarbeiten und betankte diese. Zu Schichtbeginn wurden die Lampen ausgegeben, brennend, sie waren ja gegen Öffnung gesichert; die ausfahrende Schicht gab im Gegenzug die Lampis ab.
    Jeder Kumpel hat sein zugewiesenes, gelegentlich auch eigenes Geleucht, daher die Fahrungsnummern.
    Aber nur keine falsche Hoffnungen. Egal ob eigenes oder zugewiesenes Geleucht. Der Bergmann musste die Betriebskosten begleichen. Da wurde am Zahltag gegengerechnet und die Betriebs- und etwa aufgelaufenen Wartungskosten, ebenso wie die Kosten für Werkzeug (Bsp. Schärfung des Steinbohrers) gleich einbehalten.
    Entsprechend sparsam und verantwortungsvoll gingen die Kumpel mit ihrer Ausrüstung um. Wer reinhauste, der hatte am Zahltag ein mageres Salär!
    Soviel nur trauten Bergmannsalltag!
    Grüsse
    Erich

  • ...
    Gerade auch in Notsituationen, zum Beispiel im (nicht
    schlagwettergefährdeten) Untertagebereich können 4 Stunden über
    sein oder nicht sein entscheiden.
    ...

    Marcus, ich glaube nicht das man diese Lampe unter Tage einsetzte.
    Das ungeschützte und empfindliche Glimmerfenster, die nicht dichte Bauweise, die es ermöglicht das etwaig vorhandene Gase in den Brennerraum eindringen können, sprechen eigentlich dagegen.
    Und die Vorstellung mittels des offenen Reibzünders eine mögliche Schlagwetterexplosion auszulösen läßt einem die Fußnägel kräuseln, grins.
    Ich vermute das dieses Lämpel für den Gebrauch beim Zelten oder Wandern gedacht war.


    @ Sturmkappe1978


    Carsten, bei der Recherche zu der Lampe hatte ich gesehen das sie schonmal von Diogenes vorgestellt worden ist, der ja hier auch darauf hingewiesen hat.
    Aber ich finde die Idee von diesem Ruisz aus Graz auch genial, vermute aber das dieses Lämpchen nicht oft verkauft wurde. Sie taucht jedenfalls sehr selten zum Verkauf auf.

  • @ Lodjur
    Dank dir.

    Hallo Rolf,
    Deine Videos sind genauso genial, wie Deine Bilder. :D 
    ....

    Danke Marcus, man gibt sich Mühe.
    Aber just bei dieser Filmerei sah ich bei der Bearbeitung im Magix Video deluxe das die Kameraeinstellung nicht auf 4K stand. Aber ich denke die Qualität reicht aus um kurz die Funktion darzustellen.


    Bei Betrachtung des folgenden Bildes weiß ich aber jetzt wo das Lämpel den Namen her hat. :rofl:



  • Bislang habe ich weder in der Bucht noch auf irgendeinem Flohmarkt so ein Gerät jemals zu sehen bekommen.


    So selten sind die Dinger in AT gar nicht, zumindest in der Feuerzeug-Sammlerszene taucht hin und wieder dieses Teil auf.
    Zugeordnet als Feuerzeug deshalb, weil meistens das Glimmerglas fehlt und die offen zugängliche Flamme daher zum Zünden eines Fidibusses genutzt werden kann.


    Leider ist außer dem Namen des Patentinhabers zum Hersteller absolut nichts bekannt.
    Es dürfte sich jedoch um einen Betrieb gehandelt haben, der über umfassende fertigungstechnische Kompetenz in der Blechumformung verfügte


    Da diese Taschenlampe auch in der ČSR unter Patentový SPIS č 14915 angemeldet war, könnte man den Hersteller ev. auch dort vermuten

    Sammlergrüße Chris


    :) natürlich kann jeder, so wie er es mag, die Funken sprühen lassen…

  • ....
    Da diese Taschenlampe auch in der ČSR unter Patentový SPIS č 14915 angemeldet war, könnte man den Hersteller ev. auch dort vermuten

    Nach der Patentzeichnung handelt es sich um die erste Version, wo die Flammhöhe noch über die bewegliche Hülse eingestellt wurde.
    Angemeldet in Österreich 1921, und in Tschechien erst 1923.
    Deshalb gehe ich persönlich davon aus das der Firmensitz tatsächlich in Graz war.
    Ja, es ist ärgerlich das über diesen Ruisz nicht mehr herausgefunden werden kann.


    Edit:
    Auch in England und Frankreich wurde das erste Patent erst 1923 angemeldet.


    Interessant ist der Hinweis über die Patentanmeldung in Österreich von 1951 über einen Proportionalzirkel von Lothar Ruisz sen. und Lothar Ruisz jun. in Graz - Wetzelsdorf.
    Der Senior dürfte unser Lampenerfinder sein.

  • Hallo Rolf,
    Dein Foto von der Diogenes "Taschenlampe" hat unsere Aufmerksamkeit nochmal auf unsere
    kürzlich erworbene Kerzenlaterne gelenkt. "Die original Lübzer Pils Teleskoplampe" ist ein
    Werbeartikel der Mecklemburgischen Brauerei Lübz GmbH. Er soll mit seiner Siluette an den
    Leuchturm im Firmenlogo der Brauerei erinnern. Uns erinnert die Laterne von der Machart
    her in stark vereinfachter Form an die von Dir gezeigte Diogenes "Taschenlampe".


    So ein Exponat wie das Deine ersehnen wir auch noch mit einem AhwF von 10.

  • Hallo Kiki und Karly,


    Ja, ich habe zwischendurch auch ne Reihe moderne Lampen mit LED usw. gesehen die nach dem Prinzip, beim Ausziehen geht das Licht an funktionieren. Ein Prinzip was aus Gründen der Platzersparnis, eine Lampe im zusammengeschobenen Zustand in die Tasche stecken zu können auf der Hand liegt.
    Trotzdem ist die Idee des Ruisz wegen der mechanischen Umsetzung für mich etwas besonderes.


    Wenn ich so ein Lämpel nochmal sehen sollte schick ich Euch ne PN. ;)