Primus No. 821

  • Einen schönen guten Abend zusammen!


    Als (jetzt aktiver) Neuling stelle ich mich selbstverständlich erst einmal vor: ich bin ziemlich technikaffin, angefangen von Computern, über 3D-Druck, einer kleinen aber feinen Werkstatt bis hin zu alten technischen "Spielzeugen". Hier im Forum lese ich schon seit einiger Zeit mit und habe mit passiver Hilfe auch vor einigen Jahren eine schöne alte Petromax CP 350 wieder hergerichtet. Seither verrichtet sie gute Dienste beim Grillen!


    Jetzt habe ich aber einen Problemfall bekommen. Mein Schwiegervater hat mir eine Lötlampe Primus No. 821 in die Hand gedrückt. Mit der musste er als Kind im Winter immer Wasserleitungen in der Gärtnerei seiner Eltern auftauen. Er glaubt, die wurde mit Benzin betrieben. Da sie nicht mehr wirklich schön war wollte er sie herrichten und hat sie vor einiger Zeit nahezu zerlegt. Irgendwann ist er dann nicht mehr weiter gekommen und hat die Lust daran verloren. Jetzt soll ich weitermachen. Leider sind vermutlich alle Dichtungen verloren gegangen. Wenigstens hat er vor dem Zerlegen ein paar Fotos der Lampe gemacht...


      


    Aufgrund der Bodenprägung "AF" vermute ich, dass die Lötlampe von 1941 ist. Das könnte vom Alter her passen. Ich habe die Lampe zwischenzeitlich noch etwas gereinigt und vollständig zerlegt.


      


    Jetzt zu meinen Problemfällen, den Dichtungen.


    Das Drehventil braucht eine neue Graphitpackung. Da plane ich mit 3 mm Graphitschnur eine Stopfbuchse zu machen.



    Was für eine Dichtung kommt zwischen Pumpenrohr und Behälter? Das sieht nach einer Nut für einen O-Ring aus. Ist das richtig? Reicht da NBR oder sollte ich besser Vito nehmen? Kennt jemand evtl. die Abmessungen?



    Richtig Sorgen bereitet mir das Pumpenbodenventil. Irgendwie fehlt da doch eine Dichtung, oder? Wie sieht die aus? Wo bekomme ich sowas her? Das Pumpenleder sieht auch nicht mehr okay aus. Woher bekomme ich sowas?


         


    Als Docht habe ich mir bereits unbehandelten Baumwolldocht besorgt. Den arbeite ich in einen neuen Trägerdraht ein.


    Bitte entschuldigt meine viele Fragerei, die Restaurierung der Lampe ist mir aber wichtig, da mein Schwiegervater offensichtlich an ihr hängt.


    Über Infos, Tips und Bezugsquellen würde ich mich sehr freuen!


    Herzlichen Dank!


    Gruß Andreas

  • Da der O-Ring 1936 erfunden und in 1939 das Patent zugeteilt wurde, hilft das Alter der Primus mit BJ 1941 nicht wirklich weiter.

    Ich würde dennoch mal davon ausgehen, dass es kein O-Ring sondern eine Flachdichtung wie z.B. beim Enders Bundeswehrkocher war.

    Da sieht die Aufnahme ähnlich aus.

    Zwischen Punpenrohr und Behälter sehe ich auch kein Langzeitproblem mit NBR. Viton gab es damals noch nicht.


    Pumpenleder : wenn nichts von der Maxe oder Coleman, Enders etc. passt, such mal hier unter "Anfertigung Pumpenleder" und ähnlichem.

    Es giibt etliche Beiträge darüber wie man das macht.(vor der Suche immer auf den Forum-Button gehen!) Prinzipiell einen "Stempel bzw. Matrize" aus Hartholz oder Metall anfertigen/nehmen (z.B. Stecknuß) und Leder darüber formen.


    Wie genau die Pumpendichtung aussieht weiß ich nicht; kleine Dichtstückchen lassen sich z.B. aus O-Ringen mit passender Schnurdicke mittels einer Rasierklinge schneiden oder mit einer Revolverlochzange (für Gürtellöcher) aus Viton bzw. NBR Plattenmaterial.


    Drauf achten ob die Dichtung im warmen/heißen Bereich der Löla liegt; dann besser Fiberdichtungen verwenden.

    Dichtungsmaterial in Platten (Viton) hat z.B. der Thomas (Coronasievert), Fiberdichtungen aus dem Sanitärberich (Baumarkt oder KFZ Zubehörhandel/Werkstattbedarf z,B, "Dichtpapier") oder im technischen Fachhandel den es sicher im Speckgürtel um M mehrfach gibt.


    Graphitpackung läßt sich aus Graphitfolie rollen; Peter ("Lampenküche") hat sowas sicher noch davon da.....


    Nachtrag Pumpenleder: der Nutzer "Motorang" (war zumindest früher hier aktiv), hat auf seiner Seite (ungefähr auf der Hälfte) ein PDF verlinkt, wo die Herstellung eines Leders Beispielhaft beschrieben wrd.

    https://motorang.com/sonstiges/benzinkocher.htm

    Grüße


    Andy


    Fiat Lux !

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  • Hallo Andy,


    herzlichen Dank für deine Tips. Das hilft mir schon mal weiter. Vielleicht findet sich auch noch ein Hinweis zur Pumpendichtung/Fussventil.


    Eine Frage bzgl. Graphitpackung. Ist eine Stopfbuchse aus Graphitschnur oder eher Graphitfolie zu bevorzugen?


    Gruß Andreas

  • Habe selbst noch keine benötigt; die Meisten rollen die aus der genannten Folie was auch nahe am Original sein sollte. Die Schnur könnte sich evtl. aufdröseln, auch wenn die fest gepackt ist , sobald irgendwo doch ein kleiner Grat ist.

    Grüße


    Andy


    Fiat Lux !

  • Kennst den thread schon?

    Primus 821


    Der schreibt da z.B. was von einer Korkdichtung am Bodenventil welches er durch Viton ersetzen wollte.


    Von dem wohl nicht mehr aktivem Brian gibts auch ein Betriebsvideo:


    Und den Datecode AF für 1941 kann man auf dieser Seite sehen, die kennst aber bestimmt schon.http://blowlamp.co.uk/MY%20WEBS%20~%20Primus%20date%20&%20number%20codes%20-%20FOR_SERVER/primus_blowlamps_a%20brief%20history%20-%202nd%20attempt.htm

    Grüße


    Andy


    Fiat Lux !

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  • Danke für den Tipp, mache ich!


    Das Pumpenboden-/Fußventil ist noch nicht ganz klar. Weiß jemand wie das im Original aussieht? Ich versuche jetzt einfach mal eine kleine Flachdichtung einzulegen.